Heizestrich: so ist der Boden über der Fussbodenheizung aufgebaut
In den meisten Neubauten der Region ist der Unterlagsboden zugleich die Heizung. Die Rohre liegen im Mörtel, der Estrich speichert die Wärme und gibt sie gleichmässig an den Raum ab. Der Fachverband Pavidensa hält fest, dass schwimmende Estriche in der Schweiz zum grössten Teil mit Fussbodenheizung ausgestattet sind. Ein Estrich mit Fussbodenheizung besteht aber aus mehr als Mörtel und Rohren. Wir gehen den Aufbau einmal von unten nach oben durch, so wie er auf der Baustelle entsteht.
Unten: Schutz vor Feuchtigkeit
Auf der Rohdecke liegt zuerst eine Schutzschicht. Liegt der Raum direkt über dem Erdreich, verlangt die Norm SIA 251 «Schwimmende Estriche im Innenbereich» eine Feuchtigkeitssperre, die aufsteigende Feuchte vom Bodenaufbau fernhält. Auf neuen Betondecken in den Obergeschossen empfiehlt der Gebäudetechnikverband suissetec mindestens eine PE-Folie, weil der junge Beton noch viel Wasser abgibt. Unter feuchtigkeits- oder alkaliempfindlichen Dämmstoffen verlangt SIA 251 dort ausdrücklich eine Dampfbremse, zum Beispiel eine PE-Folie von 0,2 mm.
Die Dämmschichten
Darauf folgen Wärmedämmung und Trittschalldämmung, häufig in zwei Lagen. Das hat einen praktischen Grund: In der Ebene der Trittschalldämmung dürfen keine Leitungen liegen. Elektrorohre, Wasserleitungen und die Zuleitungen zu den Heizkreisen verschwinden deshalb in der unteren Lage oder in einer gebundenen Ausgleichsschicht. Die Trittschalldämmung selbst darf höchstens 40 mm dick sein und muss eine geringe Zusammendrückbarkeit haben, damit der Estrich darüber nicht nachgibt und reisst.
Auf die Dämmung kommt eine Trennschicht, zum Beispiel eine PE-Folie von mindestens 0,2 mm. Sie verhindert, dass Mörtel in die Fugen der Dämmplatten läuft und dort Schallbrücken bildet. Die Bahnen überlappen mindestens 150 mm oder werden verklebt. Bei Fliessestrich müssen die Überlappungen laut suissetec grundsätzlich verklebt werden, sonst sucht sich der flüssige Mörtel seinen Weg nach unten. Am Rand steht der Randdämmstreifen von mindestens 8 mm Dicke. Er trennt den Estrich von Wänden, Türzargen und Rohren und reicht bis über den späteren Belag.
Was unter dem Estrich liegt, stellen wir auf der Seite Dämmungen und Schutzschichten genauer vor.
Die Heizrohre
Nun verlegt der Heizungsinstallateur die Rohre. Sie werden mit Clips oder Schienen fixiert, damit sie beim Einbringen des Mörtels nicht aufschwimmen. Die Rohre dürfen sich vor und nach dem Einbau an keiner Stelle mehr als 5 mm nach oben bewegen. Bei dünnen Trittschalldämmungen muss man zudem aufpassen, dass die Befestigung nicht durch die Dämmung hindurch eine Schallbrücke schafft.
Bei der Verlegeart empfiehlt Pavidensa, wenn möglich die schneckenförmige Verlegung zu wählen. Vorlauf und Rücklauf wechseln sich dabei ab, der Boden wird gleichmässiger warm. Bei der schlangenförmigen Verlegung darf der Temperaturunterschied im Feld 5 Kelvin nicht übersteigen. Leitungen zu Heizkörpern haben im Estrich nichts verloren, das schliesst SIA 251 in Ziffer 2.6.6 ausdrücklich aus.
Unmittelbar vor und während des Einbringens des Estrichs steht die Anlage unter Wasserdruck. So merkt man ein Leck sofort und nicht erst, wenn der Boden fertig ist.
Der Estrich über der Fussbodenheizung
Jetzt kommt unser Teil. Weil die Rohre den Querschnitt schwächen, muss ein Heizestrich um den Aussendurchmesser der Rohre dicker sein als derselbe Estrich ohne Heizung. Mit Bodenheizung bauen wir im Wohnbau ab 7 cm Zementestrich und ab 5,5 cm Calciumsulfatestrich ein, konventionell wie als Fliessestrich. Bei höheren Lasten, etwa in Schulen oder Gewerbebauten, und bei dickeren Rohren wird es deutlich mehr, in Ausschreibungen oft 70 bis 80 mm. Massgebend bleiben aber die Mindestdicken nach SIA 251 (Ziffer 2.3) plus Rohraussendurchmesser. Ein konventioneller Calciumsulfatestrich (CA) braucht danach auf einer Dämmung mindestens 45 mm, mit 16-mm-Rohren also 61 mm. In diesem Fall gilt der Normwert. Die genauen Werte je Estrichart finden Sie bei unseren Unterlagsböden. Wichtig ist, dass die Dicke überall gleich ist. Wo der Estrich dicker wird, trocknet er langsamer und heizt anders als der Rest.
Fugenplan und Heizkreise gehören zusammen
Ein beheizter Estrich dehnt sich beim Aufheizen aus und zieht sich beim Abkühlen zusammen. Deshalb braucht er Felder, die durch Bewegungsfugen getrennt sind. Mit Fussbodenheizung darf ein Feld aus Zementestrich höchstens 6 m lang sein, aus Calciumsulfat höchstens 8 m, jeweils mit einem Seitenverhältnis von höchstens 1,5 zu 1. Auch in Türöffnungen gehören Fugen.
Den Fugenplan erstellt der Bauherr beziehungsweise sein Planer, und der Heizungsplaner legt die Heizkreise darauf ab. Eine Bewegungsfuge sollte nie mitten durch ein Heizregister laufen. Nur die Zuleitungen dürfen sie kreuzen, geschützt mit einer Rohrhülse von mindestens 30 cm Länge. Flächen, die deutlich wärmer oder kälter bleiben als ihre Umgebung, etwa unter einer Kochinsel oder einem Einbauschrank, trennt man ebenfalls mit einer Fuge ab. Fehlt diese Abstimmung, sind Risse fast vorprogrammiert.
Warum der Oktober zählt
Anfang Oktober beginnt die Heizperiode, und manche Bauherren möchten die neue Anlage sofort nutzen. Solange der Estrich frisch ist, darf die Vorlauftemperatur aber nicht über 20 °C liegen. Das erste Aufheizen hat seine eigenen Regeln und Wartefristen, die im Aufheizprotokoll festgehalten werden. Dazu mehr in den nächsten Wochen. Bis dahin gilt: lieber mit der Bauheizung die Raumtemperatur halten, als den jungen Heizestrich zu früh zu stressen.
Ob Einfamilienhaus oder Mehrfamilienhaus im Baselbiet: Wenn Sie einen Heizestrich planen, stimmen wir den Aufbau gerne früh mit Ihnen, dem Architekten und dem Heizungsplaner ab. Nehmen Sie Kontakt mit uns auf.
Quellen
- SIA 251 «Schwimmende Estriche im Innenbereich»
- Merkblatt Wärme- und Trittschalldämmungen unter Estrichen (Unterlagsböden) mit Fussbodenheizung, November 2017, suissetec
- Merkblatt Fussbodenheizungen im Estrich (Unterlagsboden), Januar 2012, suissetec
- Empfehlung PAV-E 01:2020 Spezielle Bedingungen für Heizestriche, PAVIDENSA
- Empfehlung PAV-E 02:2025 Ausführung von Estrichen, PAVIDENSA
- Unterlagsböden, J. Nager AG
