Blog · 30. September 2026

Zementestrich oder Anhydritestrich: welcher passt zu Ihrem Bau

Die Frage kommt in fast jeder Besprechung: Zementestrich oder Anhydritestrich, was ist besser? Die ehrliche Antwort: Keiner der beiden ist grundsätzlich besser. Beide Unterlagsböden sind bewährt, beide sind in der Norm SIA 251 «Schwimmende Estriche im Innenbereich» geregelt. Sie verhalten sich aber unterschiedlich, und diese Unterschiede entscheiden, welcher Boden in welchen Raum gehört.

Zwei Bindemittel, zwei Charaktere

Zementestrich, kurz CT, besteht aus Sand oder Kies, Zement, Wasser und bei Bedarf Zusatzmitteln. Er ist der am häufigsten verwendete Unterlagsboden und wird klassisch von Hand verteilt, verdichtet und abgerieben.

Anhydritestrich ist der umgangssprachliche Name für Calciumsulfatestrich. Sein Bindemittel ist Anhydrit, also wasserfreies Calciumsulfat. Es gibt ihn als konventionell eingebauten Mörtel (CA) und als Fliessestrich (CAF), der gepumpt wird und sich weitgehend selbst nivelliert.

Feuchte: der wichtigste Unterschied

Zementestrich ist wasserresistent. Er eignet sich für innen und aussen (aussen allerdings nicht als schwimmender Estrich, den SIA 251 nur für Innenräume regelt), für Keller und Garagen genauso wie fürs Wohnzimmer. Im Bad ist er ebenfalls üblich, die Abdichtung im Duschbereich ist dort aber eine eigene Schicht, die geplant werden muss. Calciumsulfatestrich dagegen ist feuchtigkeitsempfindlich. Er gehört nur in Innenräume und darf nicht dauerhaft nass werden. Die Empfehlungen des Fachverbands Pavidensa schliessen ihn für Feuchträume wie Grossküchen in Hotels, öffentliche Duschräume oder eine öffentliche Sauna ausdrücklich aus. Im privaten Bad ist die Sache differenzierter, dazu schreiben wir später einen eigenen Beitrag.

Auch während der Bauzeit zeigt sich der Unterschied. Calciumsulfatestrich muss trocken gehalten werden. Eine undichte Stelle im Dach oder Wasser vom Nachbargewerk schadet ihm deutlich mehr als einem Zementestrich. In den ersten Tagen nach dem Einbau stellen beide ihre eigenen Ansprüche: Zementestrich muss mindestens 7 Tage vor zu schnellem Austrocknen geschützt werden, Calciumsulfatestrich mindestens 4 Tage vor Zugluft und direkter Sonne. Gerade jetzt im Herbst, wenn die ersten kalten Nächte kommen und gleichzeitig noch Fenster offen stehen, lohnt es sich, genau darauf zu achten.

Schwinden und Schüsseln

Zementestrich schwindet beim Austrocknen. Weil er oben schneller trocknet als unten, heben sich Ränder und Ecken leicht an. Man nennt das Schüsseln. Nach Norm darf diese Aufwölbung höchstens 5 mm betragen, und sie bildet sich mit der Zeit in der Regel zurück. Calciumsulfatestrich schwindet sehr wenig und bleibt praktisch formstabil.

Das wirkt sich auf die Fugen aus. Mit Fussbodenheizung darf ein Feld aus Zementestrich nach SIA 251 höchstens 6 m lang sein, bei Calciumsulfat sind es 8 m, beide mit einem Seitenverhältnis von höchstens 1,5 zu 1. Nach unserer Erfahrung lassen sich Zementestriche bis etwa 30 m² fugenlos einbauen, Calciumsulfatestriche bis etwa 40 m². In einem offenen Wohnbereich mit Küche kann das den Unterschied zwischen einer Fuge mitten im Raum und keiner Fuge ausmachen.

Dicke und Trocknungszeit

Calciumsulfatestrich kommt mit etwas weniger Dicke aus als Zementestrich. Unsere Standardwerte für leichte Wohnnutzung: Zementestrich ab 5 cm ohne und ab 7 cm mit Bodenheizung. Calciumsulfatestrich, konventionell oder als Fliessestrich, ab 4 cm ohne und ab 5,5 cm mit Bodenheizung. Bei knappen Aufbauhöhen, etwa in der Sanierung oder bei niedrigen Türschwellen, kann dieser Unterschied von ein bis anderthalb Zentimetern wichtig sein. Massgebend bleiben die Mindestdicken nach SIA 251 (Ziffer 2.3), die von Festigkeitsklasse, Last und Dämmung abhängen: auf einer Dämmung mit höchstens 3 mm Zusammendrückbarkeit setzen 5 cm Zementestrich mindestens die Klasse C30-F5 voraus, und ein konventioneller Calciumsulfatestrich (CA) braucht mindestens 45 mm, mit 16-mm-Heizrohren also 61 mm. Wo unser Standardwert darunter liegt, gilt der Normwert. Bei höheren Lasten, etwa in Schulen oder Gewerbebauten mit 4 kN, und je nach Rohrdurchmesser wird der Estrich deutlich dicker, in Ausschreibungen oft 70 bis 80 mm.

Beim Trocknen ist Calciumsulfat in der Regel schneller. Ohne Beschleuniger rechnen wir beim Zementestrich mit 7 bis 8 Wochen bis zur Belegreife, beim Calciumsulfatestrich mit 5 bis 6 Wochen. Die Grenzwerte sind allerdings strenger und hängen vom Belag ab. Für Parkett auf Bodenheizung verlangt das Merkblatt des Parkettverbands ISP beim Calciumsulfatestrich 0,3 CM-%, beim Zementestrich 1,6 CM-%. Gemessen wird nach den Empfehlungen von Pavidensa mit dem CM-Gerät über die ganze Estrichdicke, mit mindestens drei Messungen.

Was sonst noch zählt

Bei Calciumsulfat darf die Vorlauftemperatur der Fussbodenheizung 50 °C nicht übersteigen. Das muss der Heizungsplaner wissen, bevor er die Anlage einstellt. Vor dem Verlegen von Platten oder Parkett braucht ein Calciumsulfatestrich einen Reinigungsschliff und je nach Kleber eine Grundierung. Wer diese Arbeiten übernimmt, sollte in der Planung geklärt sein.

Soll der Estrich selbst der sichtbare Boden werden, geschliffen, eingefärbt oder versiegelt, kommen beide Materialien in Frage. Zementestrich hat die härtere Oberfläche und eignet sich auch für aussen, Calciumsulfatestrich nur für Innenräume ohne Nasszellen. Beispiele dafür finden Sie unter Dekorbeläge.

Zementestrich oder Anhydritestrich: eine Faustregel

Wo Wasser im Spiel ist, im Keller, in der Garage oder aussen, ist Zementestrich die naheliegende Wahl. In Duschen braucht es unabhängig vom Estrich eine Abdichtung nach SIA 271/1, die mit Fachleuten geplant wird. Wo ein Wohngeschoss mit Fussbodenheizung grosse offene Flächen hat und Parkett oder Platten bekommt, spielt Calciumsulfat seine Stärken aus: wenig Schwund, grössere Felder, geringere Höhe. Viele Häuser kombinieren beides, etwa Zement im Untergeschoss und Calciumsulfat in den Wohnetagen. Eine Übersicht aller Varianten mit Einbauhöhen finden Sie bei unseren Unterlagsböden.

Am Ende entscheiden die Details Ihres Baus: Nutzung, Belag, Heizung, Aufbauhöhe und Terminplan. Genau das besprechen wir regelmässig mit Bauherren und Architekten aus dem Baselbiet. Wenn Sie vor dieser Wahl stehen, melden Sie sich bei uns, und wir gehen Ihr Projekt gemeinsam durch.

Quellen

  • SIA 251 «Schwimmende Estriche im Innenbereich»
  • SIA 271/1 «Abdichtungen von Innenräumen»
  • Empfehlung PAV-E 02:2025 Ausführung von Estrichen, PAVIDENSA
  • Empfehlung PAV-E 01:2020 Spezielle Bedingungen für Heizestriche, PAVIDENSA
  • KBS Calciumsulfatfliessestrich CAF, Systemübersicht, KBS / Metry AG
  • Unterlagsböden und Dekorbeläge, J. Nager AG
  • Merkblatt 5 «Parkett auf beheiztem/gekühltem Untergrund», Ausgabe 03/25, ISP Interessengemeinschaft der Schweizerischen Parkett-Industrie
  • Dekorbeläge, J. Nager AG
  • Empfehlung PAV-E 03a:2021 Austrocknungsverhalten von Estrichen mit Fussbodenheizung, PAVIDENSA

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